Die historischen Vorstadthäuser Brinkstraße 16/17 mit zahlreichen Hofgebäuden und einem schönen Garten sollen abgerissen werden. Darin befinden sich ein Bioladen, eine Initiative für solidarische Landwirtschaft, ein Café und bis vor kurzem auch noch Werkstätten und Wohnungen. Die „Brinke“ hat sich mittlerweile zu einem Treffpunkt der Nachbarschaft etabliert, von dem Straßenfeste und anderes Engagement ausgehen. Der neue Eigentümer R. Schmidt möchte die siedlungsgeschichtlich bedeutsamen Häuser abreißen und stattdessen gesichtslose überteuerte Eigentumswohnungen bauen. Wir stellen uns dem Abriss aus folgenden Gründen entgegen:

Kurz gefasst:
politisch

  • Sozial Mieten statt Eigentumswohnungen! Mietwucher stoppen!
  • Kommunaler und kollektiver Wohnraum statt Privatisierung!
  • Bürgerbeteiligung statt Investoren-Hörigkeit!
  • sozial

  • Sofort beziehbarer Wohnraum für 20 Personen
  • Für eine lebendige Brinkstraße!
  • Eigentum ist kein Persilschein!
  • kunsthistorisch

  • 1856 gebaut
  • eines der seltenen Vorstadthäuser
  • guter Erhaltungszustand
  • ästhetisch

  • idyllische Vorstadthäuschen statt knallig sterile Wohnbunker
  • Genauer gesagt…
    politisch
    sozial
    kunsthistorisch
    ästhetisch

    politisch

  • Sozial Mieten statt Eigentumswohnungen! Mietwucher stoppen!
  • In Greifswald eine bezahlbare Wohnung zu finden ist eine Odysee. Nicht nur Student_innen mussten diese Erfahrung machen und teilweise sogar notdürftig in Turnhallen unterkommen. Vor allem Geringverdienende und Arbeitslose, Alleinerziehende und Renter_innen finden meist nur in Schönwalde Wohnraum, wo das kulturelle Angebot wesentlich geringer ist als in der Innenstadt. Zwar wird in Greifswald im Moment nicht gerade wenig gebaut. Doch im Gegensatz zu den wenigen neuen Wohnungen von Studentenwerk und WVG handelt es sich hier meist um Lifestyle-Wohnketten wie „younique“ und oder Immobilien von unseriösen Investoren wie Douglas Fernando. Diese Einzimmer-Wohnbunker werden schnell hochgezogen, die Wohnungen maximal gewinnbringend sofort weiterverkauft, um anschließend zu überteuerten Preisen von 350€ pro Zimmer vermietet zu werden. Die Unwissenheit und Wohnungsnot der Studierenden wird oft mit Knebelverträgen ausgenutzt.

  • Kommunaler und kollektiver Wohnraum statt Privatisierung!
  • Doch selbst die städtische Wohnungsgesellschaft WVG ist gerade dabei, viele ältere Häuser, v.a. in der Fleischervorstadt, abzustoßen. Die meisten davon waren früher Sozialwohnungen und haben meist einen niedrigeren Wohnstandard (Ofenheizung, Treppenklo), den viele Menschen für eine geringere Miete und eine anderes Wohngefühl aber gerne in Kauf nehmen. Diese Häuser sollten in enger Absprache mit den Mietern in Stand gehalten und wenn nötig modernisiert werden.
    In der Arndtstraße beispielsweise wandte sich im August 2013 eine Mieterin an die Zeitung , weil sie Monate erfolglos darauf wartete, dass die WVG ihre Heizung repariert. Die WVG dementierte. Jetzt verkauft die WVG das Haus anstatt die nötigen Reperaturen vorzunehmen. Jedoch nicht, wie man denken könnte, um die klammen Kassen zu füllen – „WVG macht erneut Millionen-Gewinn“ (OZ, 4.7.2013) . Auch der Mieterverein kritisiert seit Jahren die steigenden Mieten der WVG: „Wohnungsgesellschaft ist vorrangig die Daseinsvorsorge, nicht die Gewinnmaximierung!“. Ein Leserbriefschreiber identifiziert dies richtigerweise als Auswuchs des Neoliberalismus (Leserbrief zum Artikel „WVG macht 6,4 Millionen Gewinn“ in der OZ 12.07.2011).
    Auch in anderen Fällen, bei denen Mieter ihre Probleme mit der WVG öffentlich machten reagiert diese stets mit Dementi und scheut die Auseinandersetzung oder ein Schuldeingeständnis.
    Eine begrüßenswerte Alternative zu diesen Abhängigkeiten ist die Kollektivierung von Wohnraum. So wurden beispielsweise die Häuser Brinkstraße 26, Goethestraße 1 und Stralsunder Straße 10/11 von Vereinen gekauft und werden durch die Bewohner_innen selbst verwaltet.

  • Bürgerbeteiligung statt Investoren-Hörigkeit!
  • Dass die Stadt finanzkräftige Investoren hofiert ist nichts Neues. Regelmäßig lassen sich die Bürgerschaftsmitglieder dabei von deren ausgefeilten Präsentationen geplanter Prestigeprojekte und der Aussicht auf Steuereinnahmen blenden. Wie sehr sie dabei auf die Nase fallen können zeigt eindrucksvoll der geplatzte Deal um die Ryckgrundstücke mit Douglas Fernando. Ein Investor, der seine „Seriösität“ schon vilefach unter Beweis stellte (1, 2, 3, 4, 5, 6 , 7 ).
    Statt finanzkräftige Investoren zu hofieren, die weder an Denkmalschutz noch an einer lebendige Nachbarschaft und eine vielfältige Sozialstruktur im Viertel interessiert sind, sollte die Greifswalder Bürgerschaft Investitionsvorhaben kritischer betrachten und vor allem Bürger_innen in ihre Entscheidungen einbeziehen.

    Dem Wohnraumproblem in Greifswald muss sich ernsthaft und vor allem praktisch gewidmet werden.
    Konkret heißt das: Mietenstopp, Erhalt statt Abriss, Neubau von Sozialwohnungen statt Eigentumswohnungen, Einhalten des Denkmalschutzes.


    sozial

  • Für eine lebendige Brinkstraße!
  • Bezahlbare Mieten bringen Vielfalt ins Viertel!
  • Eigentum ist kein Persilschein!

  • kunsthistorisch

    Die 1,5-geschossigen Gebäude aus dem Jahr 1856 gehören, wie auch das „Koeppenhaus“, zu den selten gewordenen Vorstadthäusern. Zusammen mit der Brinkstr. 15, einem der besterhaltenen Arbeiterhäuser, und dem denkmalgeschützten Stephanischen Convent gegenüber, hat dieser Straßenzug eine besondere historische Bedeutung für Greifswald. Das Gebäude- und Hofensemble bot in seiner bewegten Vergangenheit zahlreichen Nutzer*innen Platz. Darunter einer Gastwirtschaft, einem Kolonialwarenladen, einem Friseur und der Theaterwerkstatt. Im Jahr 2008 erfüllte der Bioladen “Sonnenmichel” die Räume mit neuem Leben. Darüber hinaus befinden sich dort Wohnungen, Werkstätten und ein Garten.
    (von der Seite der Initiative „Brinke 16-17 erhalten“ übernommen, genaueres dort)


    ästhetisch

    Die letzten Neubauten des Bauunternehmers und Eigentümers Schmidt lassen erahnen was auch in der Brinkstraße entstehen soll.

    Vorher

    Nachher?

    Das Erscheinungsbild der sonst von 1-2 stöckigen Häusern geprägten Brinkstraße wird durch solche Bauten komplett verändert. Der idyllische Vorstadtcharakter soll knallig sterilen Wohnbunkern weichen.
    Den Neubau von Wohnungen befürworten wir. Aber nicht, wenn diese überteuert sind und dafür funktionsfähige Häuser wie die Brinkstraße 16/17 weichen müssen, die heute schon bis zu 20 Menschen ein Zuhause bieten könnte.