Redebeitrag Rosa Demo

Eben gerade hat die Demo für kulturelle Freiräume und den Erhalt des Clubs „Rosa WG“ vor unser Haustür halt gemacht. Vielen Dank für euren bassigen Besuch! Hier unser Redebeitrag:

Redebeitrag von uns am Fenster

Moin ihr Lieben,
Wir sind die Brinke WG. Wir wohnen hier erst seit kurzem und haben viele tolle Ideen für diese Haus. Es gibt unzählige euphorische Leute, die hier ihre Kreativität ausleben wollen und ihr Herzblut vergießen. Doch obwohl wir gerade erst eingezogen sind hat unser Vermieter jetzt schon keinen Bock mehr auf uns. Nicht weil wir zu laut waren, den Hausflur nicht gefegt haben oder die Mülltonne nicht rausgestellt haben. Sondern weil er das Haus abreißen und durch etwas neues, größeres, sauberes, profitableres ersetzen will.
Na…kommt euch das bekannt vor, liebe Rosas?

Wie ihr wisst, sind Rosa und Brinke nicht nur irgendwelche WGs. Genauso wie die Rosetten kulturelle Ziele haben, haben wir unsere politischen Ziele. Wir haben dieses Haus vor einer Woche besetzt um dessen geplanten Abriss zu verhindern und für eine soziale Wohnungspolitik zu demonstrieren.

Demo vorm Haus

Aber wieso gerade dieses Haus?
Von der Straße sieht es eher unscheinbar aus, aber hinter der 158 Jahre alten Fassade verbergen sich mehrere verwinkelte Hofgebäude und ein schöner großer idyllischer Garten mitten in der Stadt. Bis vor kurzem waren hier Werkstätten, eine Initiative für solidarische Landwirtschaft und günstiger Wohnraum. Jetzt gibt es offiziell nur noch den Bioladen, gegen den aber eine Räumungsklage läuft. Denn der neue Eigentümer und Bauunternehmer Roman Schmidt aus Demmin möchte die Häuser abreißen und durch Eigentumswohnungen ersetzen. Wie die dann aussehen werden, könnt ihr nebenan sehen.
Seit 1 ½ Jahren versucht die „Initiative Brinkstraße 16/17 erhalten“ den Abriss zu verhindern. Alle Dialoge, Leserbriefe, Podiumsdiskussionen, Demos und Straßenfeste haben zu keiner Lösung geführt. Die Initiative hat dem Eigentümer sogar 3 ähnlich wertige Grundstücke zum Tausch angeboten und ihm ein Kaufangebot unterbreitet. All dies hat er abgewiesen. Wir sehen die Besetzung hier als letztes Mittel den Abriss doch noch direkt zu verhindern und den Konflikt in die Öffentlichkeit zu tragen.

Denn dieser Konflikt geht alle was an.
Hier geht es nicht nur um einen Bioladen, hier geht es nicht nur um einen Elektro Club, hier geht es nicht nur um das ein oder andere alte Haus. Hier geht es um eine Stadtpolitik, die vor jedem potentiell interessierten Investor den Kniefall macht und gleichzeitig die konkreten realisierbaren Pläne aufopferungsvoller Leute nicht ernst nimmt. (Straze wisst ihr noch?)
Hier geht es um Investoren, die die Wohnungsnot in Greifswald nutzen um ihre horrenden Mieten durchzudrücken.
Und hier geht es auch um einen weltweiten Trend, der sich neoliberale Stadtentwicklung nennt.

Demo

Neoliberale Stadtentwicklung – was soll das denn?
Wir meinen damit den Trend zur Ökonomisierung der sozialen Bedürfnisses nach Wohnen und Kultur. Statt mit den Bedürfnissen ihrer BewohnerInnen mitzuwachsen soll die Stadt in erster Linie effizient sein und wirtschaftlichen Kriterien genügen.

Ganz platt gesagt heißt das: Schnell, viel, teuer.

Schnell, wie die in kürzester Zeit mit viel Ressourcen neu hochgezogenen Studentenwohnheime; wie der AVILA Wohnpark in der Anklamer oder die Younique Wohnheime, welche mit Knebelmietverträgen locken.
Viel, wie die lokale Wohnungsgesellschaft WVG mit ihren jährlichen Rekordgewinnen, die trotzdem weiter die Mieten erhöht. Vor einigen Jahren wurde schon einmal versucht das kommunale Unternehmen zu privatisieren, was glücklicherweise durch einen Volksentscheid verhindert wurde.
Und teuer…na das kennt ihr ja.

Demo vor dem Haus

Wir haben ein Problem damit, wenn Profitinteressen einzelner über dem Gemeinwohl stehen.

Wir wollen keine berechenbaren weichen Standortfaktoren sein um Menschenmaterial anzulocken. Wir wollen Eigeninitiative, Bürgerbeteiligung, lebendige Straßen und widerständige Kultur.

Es gibt sooo viele Beispiele es besser zu machen – sozialer Wohnungsbau, kommunaler Wohnraum, kollektive Wohnprojekte…
Eins von diesen guten Beispielen ist hier unten gerade im entstehen. Am 18.10. wird hier ein Stadtteilzentrum eröffnet. Statt sich von Eigentumslogik einschränken zu lassen wird hier Raum angeeignet und einfach mal angepackt. Das können alle – lasst uns zusammenhalten.

Wohnen muss bezahlbar bleiben!
Tausch oder Kauf statt Abriss!
Brinke bleibt!
Rosa bleibt!
Macht die ganze Stadt zu einer großen WG!

Hier noch ein Artikel vom webmoritz: RoSa meets Brinke – Zwei WGs, ein Problem.

Alle Bilder von der Seite der Initiative geklaut. Wir haben leider die Kamera vergessen, aber von oben sah es noch viel besser aus.

rosademo
rosademo2


2 Antworten auf „Redebeitrag Rosa Demo“


  1. 1 K.Wellnitz 24. Oktober 2014 um 9:43 Uhr

    Kämpft weiter um das Haus,damit da nicht so ein häßlicher Klotz hinkommt.Ich kann leider nicht mitmarschieren,da ich gehbehindert bin. Wir brauchen keine Einkaufstempel mehr,denn davon hat Greifswald mehr als genug.Der aus Demmin kann doch ein anderes Haus abreißen,aber nicht das in der Brinkstraße.Schade,das es nicht unter Denkmalschutz steht.Deshalb Kämpft weiter!!!!!!!

  1. 1 Besuch der RosaWg | Brinke16-17 erhalten! Pingback am 09. Oktober 2014 um 11:47 Uhr
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