Archiv für September 2014

Pressemitteilung: Besetzung soll Abriss historischen Vorstadthauses verhindern

Greifswald/ MV /Deutschland
Lokalpolitik/ Wohnen/ Denkmalschutz/ Gentrifizierung/ Bürgerprotest

Eine bunt gemischte Gruppe namens „Brinke WG“ ist am 30.9.2014 in die historischen Häuser Brinkstraße 16/17 eingezogen, um deren Abriss zu verhindern und für eine soziale Wohnungspolitik zu demonstrieren.
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Wir sind heute in die Brinkstraße 16/17 eingezogen, um den Abriss dieses bedeutenden Kleinods zu verhindern.
Wir, Bewohner_innen und Unterstützer_innen, das sind:

  • Greifswalder_innen, die die Geschichte von Abriss und Zerfall der Altstadt in den 80ern kennen oder miterlebt haben und deshalb nicht wollen, dass sie sich wiederholt
  • Zugezogene, denen die herzliche Atmosphäre in der „Brinke“ geholfen hat, sich in dieser Stadt willkommen zu fühlen
  • KundInnen des Bioladens, die das familiäre Ambiente schätzen
  • Wohnungssuchende, die keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden
  • ArbeiterInnen, die nicht die Hälfte ihres Einkommens für ein Dach über dem Kopf ausgeben wollen
  • Studierende der Kunstgeschichte, die einen Abriss dieses bedeutenden Ensembles nicht zulassen können
  • Visionäre, die die ersten Schritte einer solidarischer Landwirtschaft als zukunftsweisend für unsere Gesellschaft ansehen und in der „Brinke“ einen Ort zur Verwirklichung diese Ideen fanden
  • Nachbarn, die sich eine lebendige Brinkstraße wünschen
  • Wir haben seit Bekanntwerden der Abrisspläne zusammen mit vielen Bürgern der Stadt gegen den Abriss:

  • Leserbriefe geschrieben
  • das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht
  • Tauschgrundstücke ausfindig gemacht
  • Straßenfeste organisiert
  • Denkmalschutzanträge geschrieben
  • und demonstriert.
  • Und dennoch: die Abrissarbeiten haben begonnen. Auf keines der zahlreichen Angebote für ein Tauschgrundstück ist Eigentümer Schmidt eingegangen. Wir sehen unseren Einzug als die letzte Möglichkeit den Abriss dieses Stück Greifswalder Geschichte doch noch zu verhindern. Wir verlassen hierfür unsere eigenen vier Wände, setzen unsere Jobs aufs Spiel, verschieben unseren Urlaub und nehmen die spartanischen Lebensverhältnisse hier in Kauf – solange es eben dauert.
    Wir tun dies in der Überzeugung, dass Wohnraum bezahlbar bleiben muss. Die Brinkstraße 16/17 bietet diesen Wohnraum und ist zudem zum kulturellen Treffpunkt im Viertel geworden.

    Aber das ist doch fremdes Eigentum? Ist das nicht verboten?
    Wenn Eigentum dazu berechtigt, ein funktionstüchtiges Haus verfallen zu lassen um dieses kulturhistorisch bedeutsame Zeugnis anschließend abzureißen, dann fällt es uns nicht schwer, die moralische Berechtigung dieses Eigentümers in Frage zu stellen. Wenn bezahlbarer Wohnraum gegen überteuerte Eigentumswohnungen eingetauscht werden soll, dann stellen wir uns quer. Wenn ziviler Ungehorsam nach dem Ausschöpfen aller rechtlichen und Dialog-Möglichkeiten als einziger Weg bleibt, dieses Unrecht aufzuhalten, dann gehen wir das Risiko hierbei gerne ein.

    Was wollen wir?
    Wir wollen den Abriss der Brinkstraße 16/17 direkt verhindern.
    Wir fordern den Eigentümer R. Schmidt auf, die Abrisspläne zu stoppen und auf die Angebote für Tauschgrundstücke und den Kauf der Häuser einzugehen!
    Wir fordern von der Stadt eine soziale Wohnungspolitik und einen kritischen Umgang mit Investoren! Günstiger Wohnraum darf nicht zur Mangelware werden!

    Die Gruppe „Brinke WG“ ist trotz politischer Sympathien eine von der „Initiative Brinke 16/17 erhalten“ unabhängige Gruppe.

    Hereinspaziert

    Herzlich willkommen auf dem Blog der Brinke WG. Hier bekommt ihr alle aktuellen Infos von den BewohnerInnen, die Gründe für unseren Einzug und mehr.
    Bleibt auf dem Laufenden und schaut mal vorbei. Wir freuen uns!